Zwei

Verschwunden
Regie: Andreas Struck

Idee: Jost Hering
Buch: Hannes Klug
in Zusammenarbeit mit BuntFilm, Berlin und Cine+

SYNOPSIS
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Mit zweiundzwanzig hat Raul keinen Platz in der Welt gefunden und lebt noch immer zusammen mit seinem jüngeren Bruder Luca (10) und seinem Vater Philipp (46) im Haus der vor acht Jahren verstorbenen Mutter. Seit ihrem Tod zieht sein Vater nur noch aus dem fröhlichen, aufgeschlossenen Bruder Luca Kraft fürs Leben und überlässt Raul sich selbst. Äußerlich als Mann gereift, ist Raul innerlich ein Kind geblieben. Das einzige, was ihn elektrisiert, ist sein Motorrad. Die Anforderungen eines regulären Berufslebens und die Unabhängigkeit seiner Freundin Mascha machen ihn zu einem Rebell, der immer wieder aneckt. Sein aufgeweckter, gehbehinderter Bruder Luca dagegen begegnet allen mit entwaffnendem Charme. Gelegentliche Sticheleien seiner Mitschüler können seine strahlende Selbstbestimmtheit nicht ins Wanken bringen. In den Nachmittagsstunden lässt er sich am liebsten mit seinem Vater durch den Wald treiben.
Eines Tages hat Philipp seinen Job gekündigt, seine Konten aufgelöst, seinen Söhnen das Haus ihrer Mutter vermacht, die Kühltruhe aufgefüllt und ist ohne jede Nachricht spurlos verschwunden. Luca ist nicht bereit, die Endgültigkeit von Philipps Verschwinden zu akzeptieren. Mit viel Fantasie klammert er sich an die Hoffnung auf die Rückkehr des Vaters. Philipp wird Lucas innerer Begleiter - Raul bleibt ein Fremder für ihn. Raul packt seine Sachen, überlässt seinem Bruder das Haus und fährt weg. Aber er hat niemanden, wo er bleiben kann, so dass er in der gleichen Nacht zu Luca zurückkehrt.
Raul hat Schulden, das Geld reicht vorne und hinten nicht, und Luca schließt sich immer länger in Philipps Zimmer ein. Raul setzt alles daran, ihren gemeinsamen Alltag aufrecht zu erhalten. Von Philipps heimlichen „Besuchen“ in Lucas Vorstellungswelt ahnt er nichts. Bis Raul eine „Weckmaschine“ entdeckt, die Luca in unermüdlichen Nächten für seinen Vater konstruiert hat.
Lucas inspirierte Obsession berührt Raul. Raul geht auf Luca ein und begleitet ihn in seiner Hingabe, um ihn langsam darauf vorzubereiten, sich der Wahrheit zu stellen. Aber bald beginnt die Hoffnung, Luca zu quälen. Es kommt zu Wutanfällen und Übergriffen, die die Brüder an physische und emotionale Grenzen treiben. Als sich Luca aus Verzweiflung Selbstverletzungen zufügt, halten Scham und Angst Raul davon ab, sich jemandem anzuvertrauen. Bis ihre Situation öffentlich wird und die beiden Brüder getrennt werden. Aber Raul weicht nicht mehr von Lucas Seite. Er gibt nicht auf, seinem Bruder neuen Halt zu geben – und gewinnt damit auch für sich neues Land.
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INTEGRATIVES CASTING
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Lucas Gehbehinderung ist schwerelos in seinen Alltag integriert. Sein Vater, sein bester Freund oder sein Lehrer gehen selbstverständlich mit Lucas Handicap um und stärken damit seine innere Selbstbestimmtheit, die er den hämischen Angriffen seiner Mitschüler entgegensetzt. Lucas Gehbehinderung hat sein Selbstbewusstsein geprägt, das ihn trägt, wenn er vor dem grellen emotionalen Loch steht, das sein Vater hinterlässt. Seine motorischen Einschränkungen haben psychische Kräfte in Luca mobilisiert, die ihn in sich ruhen lassen und unabhängig machen, bis der Verrat des Vaters ein Erdbeben in seinem Gefühlskosmos auslöst.
Luca wird von einem behinderten Schauspieler gespielt werden, dessen Spiellust den Film bereichert und trägt und dessen Handicap im Drehalltag integriert und nicht zum Thema wird. Die filmische Umsetzung orientiert sich an dem, was dem Schauspieler physisch möglich ist, und nicht umgekehrt. Die Szenen werden entsprechend mit dem Darsteller entwickelt, da jede
Behinderung anders ist. Jedes Anderssein ist für jeden Film ein Gewinn, wenn es unverbogen und beiläufig in den Erzählstrom aufgenommen wird. Aufrichtiges Anderssein, mit Ecken und Kanten, unbequem, unverstellt, nicht gespielt.
Kai Malinas verschlossene Einsamkeit und seine einnehmende Energie, zu geben, was ihm selbst kaum reichen kann, machen ihn für mich zu einem Raul, der Luca ebenbürtig ist. Zwei ungleiche Brüder, die Welten trennen und Wandlungskraft aufeinander zu bewegt.
Sebastian Blomberg, der Hauptdarsteller meines Debutfilms, ist für mich Philipp. Neben einer hochsensiblen Tiefe können seine komödiantischen Seiten Lucas Imaginationen Leichtigkeit verleihen.