Dialog von Berlin

Dialog von Berlin
von Nicos Ligouris

Deutschland/Griechenland 2017, 80 Minuten
Buch, Regie, Kamera, Schnitt, Erzähler: Nicos Ligouris

Mitwirkende: Elektra und Olga Theodoridou, Konstantin Fischer
Musik: Wolfgang Zamastil
Ton: Claus Wilbrandt
Mischung: Klaus-Peter Schmitt
Farbkorrektur: Matthias Behrens, WAVE LINE Berlin
Online-Editor: Domingo Stephan, WAVE LINE Berlin
Produzent: Nicos Ligouris, mit der unterstützung des Greek Film Centre
Co-Produzent: Jost Hering / Jost Hering Filme
84 Minuten, Color, 16:9

Ein Filmessay bestehend aus Dokumentarischem, Fiktionalem und philosophischer Reflexion über das wechselvolle Spiel der verschiedenen Kulturen des europäischen Nordens und Südens anhand eines ständigen Hin und Her´s zwischen Deutschland und Griechenland. Eine Art Reise durch das Labyrinth der jüngeren europäischen Geschichte, in welcher sich Ethnographisches, Historisches, Kultur und Alltag, sowie Politik und Selbsterlebtes miteinander vermischen.

Rezension von Kalliope Putouroglou, CINEPHILIA, März 2017

“Ein faszinierender Dialog zwischen zwei Kulturen anhand gelesener Tagebuchaufzeichnungen eines Kulturkorrespondenten. Ein dokumentarischer Filmessay, welcher als ein im weitesten Sinne universales kinematographisches Projekt über ein rein persönliches Vorhaben des Regisseurs Nicos Ligouris hinausgeht.
Für sich selbst die Rolle des externen Erzählers reservierend und mit einer tief bekenntnishaften Rede, die von philosophischen Verweisen und persönlichen Reflexionen unterfüttert wird, durchforstet der Regisseur mit seinen in Berlin und auf Westkreta entstandenen Filmaufnahmen die europäische Kulturgeschichte. Dabei richtet sich der Fokus auf die sich ständig verändernden Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland.Der Film des in Berlin dauerhaft lebenden Ligouris beginnt mit einem verwunderten Staunen über die Präsenz von klassizistischen Elementen im europaischen Norden. In der Folge unternimmt er ein Eintauchen in die Wertesysteme und Charakter beider Völker und zwar in der Form einer Geschichte von Identifikationen und Divergenzen von zwei sich deutlich voneinander unterscheidenden Welten.Als scharfsinniger Beobachter und treffsicherer Kommentator stellt Ligouris linear und einfach erzählte alltägliche Strassenszenen, die er im Laufe der letzten Jahre, vor allem dem Jahr 2015, gedreht hat, seinen komplexen persönlichen Kommentar -Ergebnis langjähriger persönlicher Erlebnisse und schmerzlicher vielschichtig philosophischer Suche – gegenüber.
Während dieser labyrinthischen Reise bekennt sich Ligouris mit Ehrlichkeit und Mut zu der Liste seiner deutschen "Heiligen", zu seinen Obsessionen, seinen Befürchtungen und Problemsetzungen, seinen Revisionen aber auch seinen Ermahnungen an sich selbst. Sein Ziel ist nicht die von Stereotypen bestimmte Polarisierung von Nord und Süd, sondern das Betrachten beider Regionen als unterschiedliche Manifestationen des menschlichen Zustands.Ein ehrgeiziges und nicht einfaches Unterfangen, welches dank der Sensibilität, dem tiefen Wissen aber auch dem intellektuellen Wagemut des Regisseurs absolut erfolgreich zu Ende geführt wird. Das Band, das die locker aneinander gereihten Episoden miteinander verbindet, ist die stets wiederholte Ermahnung des Regisseurs an sich selbst, dass sein Thema das Vergessen und nicht die Erinnerung sein soll. Ein Vergessen, das jedoch "sein Objekt nicht verdrängen und nicht vernichten" sondern für die zukünftigen Generationen unverändert bewahren muss. Ein Vergessen, das zwar ketzerisch, jedoch unentbehrlich für die Heilung geschichtlicher Wunden ist.
In einer zukünftigen Welt, in welcher das Vergessen und die Nicht-Geschichte herrschen wird, werden die Schrecken des letzten Jahrhunderts sowie die schmerhaften Erlebnisse der Vergangenheit "in ihr eigenes Land, das der Mythen und Spiele" verbannt sein.
Ligouris träumt von dieser utopischen Gesellschaft. Einer Gesellschaft der "verschränkten Erinnerungen", in welcher - gemäss Ligouris’ Vorliebe für die Quantenphysik - der Leuchtturm von Chania in Berlin leuchten und die Berliner Siegessäule ihr Licht in den Hafen von Chania senden wird. Nur dann wird unsere Welt neu beginnen können, frei und vom Anfang an.“

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